Mehr Anreize für Qualifizierung bieten

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Über die Corona-Folgen für den Arbeitsmarkt und den Fachkräftemangel informierte sich Marc Henrichmann bei Johann Meiners und Rolf Heiber von der Arbeitsagentur. Foto: Büro Marc Henrichmann

Mehr Anreize für Qualifizierung bieten

Henrichmann im Austausch mit Leitern der Agentur für Arbeit

Kreis Coesfeld. Mehr Qualifikation bedeutet mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt: „Das muss noch deutlicher werden“, ist der Bundestagsabgeordnete Marc Henrichmann überzeugt. Darin zeigte sich der CDU-Politiker einig mit Johann Meiners und Rolf Heiber. Der Leiter der Agentur für Arbeit in Coesfeld und dessen Stellvertreter regten deshalb zusätzliche finanzielle Anreize für Teilnehmer von Qualifizierungen an, die auf Berufsabschlüsse vorbereiten. Das Qualifizierungschancengesetz des Bundes solle gerade bei weniger qualifizierten Beschäftigten noch intensiver durch die Unternehmen genutzt werden.

Der Bund hat als Reaktion auf die Pandemie das Kurzarbeitergeld erhöht und den Bezug vereinfacht. In den Kreisen Coesfeld und Borken wird die Leistung auch deshalb „in noch nie dagewesenem Umfang“ in Anspruch genommen, so Meiners – in Spitzenmonaten von bis zu 4.000 Betrieben und 40.000 Arbeitnehmern. Ein klares Indiz für die Bemühungen der Unternehmen, die Belegschaft möglichst zu halten, insbesondere in Zeiten eines weiterhin bestehenden Fachkräftebedarfes: „Wer gute Leute gehen lässt, bekommt sie nach Corona nicht ohne weiteres wieder“.

Die Unternehmen in der Region hielten die Ausbildungsbereitschaft weiterhin hoch, betonte Meiners. Damit böten sich jungen Menschen nach wie vor alle Möglichkeiten. Die Fachkräfte von morgen über Ausbildung zu gewinnen, sei gleichwohl schwieriger unter Corona-Bedingungen geworden. Betriebspraktika und Berufsorientierungen sind nicht im gewohnten Umfang und Rahmen möglich. „Im schlechtesten Fall führt dies zu einer abwartenden Haltung bei den jungen Menschen“, warnte Heiber. „Wir haben die Sorge, dass uns Schülerinnen und Schüler der Abschlussjahrgänge entgleiten, weil wir sie derzeit in den Schulen nicht erreichen“, befürchtete Meiners. Vorgaben des Datenschutzes erschweren es, Kontaktdaten zu erhalten und von Seiten der Agentur Berufsberatung anzubieten. „Datenschutz muss weniger restriktiv und viel pragmatischer ausgelegt werden“, folgerte Henrichmann, der sich dafür aktuell im Bundestag einsetzt.

Den Unternehmen helfen kann auch Fachkräftezuwanderung. Die Leiter der Arbeitsagentur wünschten sich überdies für geduldete Migranten oder Menschen mit Aufenthaltsgestattung einen noch leichteren Zugang zu Sprachkursen. Wichtig sei es überdies, zusätzliche Anreize für umschulungswillige Arbeitssuchende zu setzen. Zwar lohne sich eine Qualifizierung mittelfristig aufgrund der bessere Beschäftigungschancen und der Aussicht auf eine höhere Entlohnung als Fachkraft. Doch sei das Arbeitslosengeld bei Weiterbildung über zwei Jahre der Qualifizierung oftmals aktuell zu gering. Hier hielt Meiners finanzielle Anreize für sinnvoll, zum Beispiel in Form höherer Leistungen zum Lebensunterhalt. Dennoch konnten 2020 rund 300 Qualifizierungen mit Berufsabschluss initiiert und gefördert werden – auch in betrieblichen Kontexten. Hinzu kamen mehr als 1.000 Anpassungs-Qualifizierungen.