Diskussion um das Tempo beim Kohleausstieg

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Kamen mit Marc Henrichmann (erste Reihe, 2.v.r.) ins Gespräch: Tim Felske, Pfarrer Peter Zarmann, Tim Schreiber (erste Reihe v.l.), Jens Keull und Lotte Volkhardt von Friday- und Parents for Future-Gruppen aus Coesfeld und Dülmen. Foto: Büro Marc Henrichmann

Diskussion um das Tempo beim Kohleausstieg

Bundestagsabgeordneter Henrichmann spricht mit Klimagruppen

Kreis Coesfeld. Bis spätestens 2038 steigt Deutschland aus der Kohle aus. Das sei zu lang, finden Fridays for Future- und Parents for Future-Gruppen aus dem Kreis Coesfeld. Sie wandten sich deshalb in einem offenen Brief an den Bundestagsabgeordneten Marc Henrichmann. Der CDU-Politiker stellte sich im Pfarrheim der Anna Katharina-Gemeinde in Coesfeld der Diskussion. Dort warb er für eine differenzierte Sicht, die neben Klimaschutz auch Wirtschaft und Gesellschaft einbezieht. „Ohne Arbeitsplätze gibt es keine Akzeptanz für Klimaschutz“, betonte er und warnte vor „neuen gesellschaftlichen Konflikten“.

Ehrlich miteinander reden und zuhören“, so umriss Peter Zarmann, evangelischer Pfarrer aus Dülmen und Moderator, das Ziel des Gesprächs. Die Frage, „wie werden unsere Kinder in 80 Jahren leben?“, beschäftigte die Mitglieder der Klimagruppen. Das Ziel, bis dahin die globale Erwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen, hielten sie für kaum erreichbar. „Wir haben keine Zeit bis 2038“, unterstrichen sie.

Wir wollen früher raus aus der Kohle“, versicherte Henrichmann. 2038 sei das Enddatum, das laufend überprüft werde. Die Sorge ums Klima teile er als Vater einer 13-jährigen Tochter. Der Parlamentarier berichtete aber auch von anderen Zuschriften aus seinem Wahlkreis: von Menschen mit Angst um Arbeitsplatz und Zukunft. Die for-Future-Gruppen setzen vor allem darauf, dass neue Jobs im Bereich der erneuerbaren Energien entstehen und verwiesen „auf die Verantwortung für die globalen und zukünftigen Auswirkungen unseres Handelns“.

Auch nach einem Kohleausstieg benötige Deutschland weiterhin Energie. Während die Klimaschutzgruppen auf Gaskraftwerke setzen, um entstehende Lücken vorübergehend zu füllen, zeige sich Henrichmann hier skeptisch: Diese Gaskraftwerke seien als Puffer vorgesehen, wenn Wind und Sonne als unsichere Energielieferanten ausfallen. „Diesen Puffer dürfen wir im Sinne der Energiesicherheit nicht aufgeben“, unterstrich er. Henrichmann sicherte aber zu, das zuständige Ministerium in Berlin prüfen zu lassen, inwieweit Gas aus diesen Kraftwerken ohne Gefahr eines Blackouts herangezogen werden könne. „Unsere Nachbarländer freuen sich schon darauf, uns Strom zu liefern. Das will ich ausdrücklich nicht“, erklärte er.

Positiv bewertet wurden die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung, inklusive der erheblichen Einschränkungen. „Bei Corona haben alle Angst um Leib und Leben. Dagegen scheint der Klimawandel vielen zu fern“, war von einer Teilnehmerin aus dem Publikum zu hören. „Wir nehmen die Klimaproblematik nicht ernst genug“, folgerte Zarmann und forderte mehr Bewusstsein für die Folgen des Klimawandels. Einig zeigte sich die Runde darin, dass innovative Technologien eine wichtige Rolle beim Klimaschutz spielen müssen. Henrichmann hob die Wasserstoff-Strategie des Bundes hervor und erklärte: „Deutschland als Land der Ingenieure muss beim Klimaschutz Vorbild sein für Schwellen- und Entwicklungsländer“.

Die Vertreter der Fridays-, Parents- und Scientists for Future aus dem Kreis Coesfeld bedankten sich für das Gesprächsangebot und die Bereitschaft, weiter im Austausch zu bleiben, mit einem Korb mit selbst angebautem Gemüse und einem Stück Kohle – nicht zum Verbrennen, sondern als Terra Preta für den Einsatz im Garten.

Einig im Ziel der Klimaschutzes waren sich Marc Henrichmann (2.v.l.) und die Vertreterinnen und Vertreter der Friday- und Parents for Future-Gruppen. Diskutiert wurde vor allem über den Weg. Foto: Büro Marc Henrichmann