Den 24-Stunden-Job der Hebammen attraktiver machen

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Die Entwicklung der Geburtshilfe im Münsterland erläuterte Dr. Klaus-Dieter Jaspers unter anderem Juliane Walz vom NRW-Gesundheitsministerium, der Frauen Union-Kreisvorsitzenden Veronika Büscher sowie den Abgeordneten Marc Henrichmann, Wilhelm Korth und Dietmar Panske (vordere Reihe v.r.). Foto: Büro Marc Henrichmann

Den 24-Stunden-Job der Hebammen attraktiver machen

Veranstaltung der Frauen Union auch mit Ärzten und Abgeordneten

Kreis Coesfeld. Wer als Hebamme arbeitet, arbeitet rund um die Uhr. Bei einer Veranstaltung der Frauen Union des CDU-Kreisverbandes in der Christophorus-Klinik in Coesfeld meldete sich eine langjährige Kraft aus dem Publikum zu Wort. Sie berichtete über ihren Alltag in 15 Berufsjahren: Hausbesuche am Vormittag, dann am Nachmittag und Abend in einer Klinik drei bis vier Frauen gleichzeitig betreuen. „Wie können wir junge Frauen ermutigen, diesen Beruf zu erlernen?“, fragte sie, auch in Richtung Politik.

Die war mit dem Bundestagsabgeordneten Marc Henrichmann sowie den Landtagsmitgliedern Wilhelm Korth und Dietmar Panske von der CDU stark vertreten – und sicherte Gesprächsbereitschaft zu, um eine Lösung zu finden. „Sie machen einen tollen Job“, betonte Henrichmann, doch dieser sei „körperlich und mental anstrengend“. Ein Schritt, den Beruf attraktiver zu gestalten, sei die Reform der Ausbildung: Künftig werden Hebammen in einem dualen Studium ausgebildet.

Hebammen fehlen an allen Ecken und Enden. Neben der hohen Arbeitsbelastung verschärfe der „Wunsch nach Teilzeit“ den Personalmangel, so Dr. Klaus-Dieter Jaspers. „Im Schnitt sind Hebammen nur vier bis sieben Jahre im Kreißsaal tätig“, erklärte der Chefarzt im Perinatalzentrum der Christophorus-Kliniken. Dann gründeten sie oft selbst eine Familie und würden Mütter. Das Perinatalzentrum beschäftige allerdings unter seinen 17 Hebammen auch auf etliche erfahrene Kräfte, die seit 20 oder gar 30 Jahren im Dienst seien.

2.134 Geburten zählte die Coesfelder Klinik 2018, im Jahr zuvor waren es 1.879. Perspektivisch rechnete Dr. Jasper gar mit bis zu 3.500 Geburten. Denn im Umland haben Geburtskliniken geschlossen oder werden schließen, darunter Steinfurt, Stadtlohn, Haltern oder Borken. Das Ziel, innerhalb von 40 Minuten eine Geburtshilfe zu erreichen, sei aber weiter sichergestellt, betonte Juliane Walz vom NRW-Gesundheitsministerium.

Der Bundestagsabgeordnete Marc Henrichmann will gemeinsam mit den Hebammen Lösungen für bessere Arbeitsbedingungen finden. Die Frauen Unions-Kreisvorsitzende Veronika Büscher (l.) begrüßte auch Juliane Walz vom NRW-Gesundheitsministerium in der Christophorus-Klinik. Foto: Büro Marc Henrichmann