Baubranche nahe an der Kapazitätsgrenze

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Über den Fachkräftebedarf bei Wigger sprach Marc Henrichmann mit Geschäftsführer Lukas Winkelmann. Am Betriebsrundgang und an der Diskussion nahmen unter anderem auch Anneliese Haselkamp und Christoph Gottheil (v.l.) teil. Foto: Anja Tiwisina

Baubranche nahe an der Kapazitätsgrenze

Henrichmann bei Firma Wigger: Brauchen Lobby für duale Ausbildung

Rosendahl. „Der Fachkräftemangel beim Bau muss so schnell wie möglich behoben werden“: Mit diesem Appell hatte sich das Unternehmen Wigger Fenster + Fassaden an den Bundestagsabgeordneten Marc Henrichmann gewandt. Der CDU-Politiker nahm dies zum Anlass, sich persönlich in Osterwick über die Situation im Unternehmen zu informieren. „Wir brauchen eine Lobby für die duale Ausbildung“, unterstrich der Parlamentarier dabei.

So gut Förderprogramme in Corona-Zeiten vielen Branchen geholfen haben: Der Bedarf der Baugewerbe daran hielt sich in Grenzen. „Da wurde ein Markt gepusht, der ohnehin an der Kapazitätsgrenze arbeitet“, stellte Geschäftsführer Lukas Winkelmann fest. Es fehle schlicht an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Produktion und Montage, erklärte er im Gespräch mit Henrichmann, Bürgermeister Christoph Gottheil sowie Anneliese Haselkamp und Guido Lembeck von der Rosendahler CDU. Henrichmann unterstrich, dass die Politik bereits gegensteuere, zum Beispiel durch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Obwohl Corona die Zuwanderung nahezu zum Erliegen brachte, seien im ersten Jahr 30.000 gut qualifizierte Kräfte aus Staaten außerhalb der EU nach Deutschland gekommen.

Wigger Fenster + Fassaden bildet seinen Fachkräftenachwuchs zwar auch selber aus. Doch Azubis zu finden, fällt zunehmend schwer. Henrichmann hielt hier ein Umdenken für notwendig: „In vielen Köpfen ist noch zu sehr verankert, dass ein Studium mehr wert sei als eine Ausbildung.“ Dabei haben das novellierte Berufsbildungsgesetz und das neue Meister-Bafög viel dazu beigetragen, dass auch eine Lehre gute Aufstiegschancen biete. Was den Abgeordneten ärgerte: „Das zu eng ausgelegte deutsche Verständnis von Datenschutz verhinderte, dass während des Lockdowns die Arbeitsagentur Kontakt zu Schulabgängern aufnehmen durfte.“ Deshalb sei es kaum möglich gewesen, Jugendliche zu erreichen und für eine Ausbildung zu interessieren.

Zu viel Bürokratie konstatierte Bruno Wigger. Eine Photovoltaikanlage in Betrieb zu nehmen, sei „regulatorisch kaum zu bewältigen“ und „abschreckend für Privatleute“. Sein Wunsch: „Wichtiger noch als Förderprogramme sind Vereinfachungen.“ Ein Anliegen, mit dem er bei Henrichmann auf offene Ohren stieß. Eher „schlank statt kompliziert“ sollten Förderungen künftig angelegt sein, betonte er.