Rechte Programmatik aus christlicher Sicht entlarvt

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Was hinter rechter Programmatik wirklich steckt, sezierte Prof. Marianne Heimbach-Steins aus wissenschaftlicher Sicht. Der CDU-Kreisvorstand, darunter der Vorsitzende und Bundestagsabgeordnete Marc Henrichmann, Gerrit Tranel und Andreas Lenter (v.r.), hörte gebannt zu und diskutierte engagiert. Foto: Büro Marc Henrichmann

Rechte Programmatik aus christlicher Sicht entlarvt

Theologin der Uni Münster beim politischen Aschermittwoch der CDU

Kreis Coesfeld / Bösensell. Rechte Politiker geben sich gern bürgerlich und konservativ, behaupten gar, das „christliche Abendland“ zu schützen. Mit Christentum und christlicher Soziallehre haben deren Positionen allerdings äußerst wenig zu tun. Dies stellte Prof. Marianne Heimbach-Steins von der Universität Münster am Mittwochabend (6. März) in Senden-Bösensell deutlich fest. Auf Einladung des CDU-Kreisverbands Coesfeld entlarvte die Direktorin des Instituts für Christliche Sozialwissenschaft die rechte Programmatik.

Den Stellenwert des „C“ im Parteinamen hob Marc Henrichmann hervor. Der CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete will sich in der politischen Auseinandersetzung auch auf christlich fundierte Argumente stützen. Schützenhilfe kam von Prof. Heimbach-Steins. Die Theologin hatte maßgeblich an einem 2017 veröffentlichten Papier mitgewirkt, das Grundpositionen der AfD und der katholischen Soziallehre vergleicht.

Auf die Rituale des politischen Aschermittwochs, laute Töne und scharfe Angriffe, wurde in Bösensell verzichtet. Ernst und engagiert diskutierten die CDU-Vorstandsmitglieder mit der Wissenschaftlerin, die auch den Stil der Rechten analysierte. Mit einer „ausgrenzenden, respektlosen Rhetorik“ werde versucht, Grenzen des Unsagbaren zu verschieben, erklärte sie und warnte davor, sich auf diesen Jargon einzulassen: „Bestehen Sie unbedingt darauf, dass demokratische Spielregeln eingehalten werden“.

Im Programm der AfD stieß Prof. Heimbach-Steins nicht auf Lösungsangebote für aktuelle Herausforderungen, sondern auf ein „Zurück in eine vermeintlich bessere alte Zeit anstelle neuer Ideen“. Identität diene vor allem der Abgrenzung. Konkret veranschaulichte sie dies anhand der Familien- und der Religionspolitik. Aufhorchen lasse christlich geprägte Menschen die Forderung „Leben zu schützen“, doch die gelte nur für deutsche Familien. Familienpolitik sei eingebettet in eine „nationale Bevölkerungspolitik“, die „mit dem katholischen Verständnis nicht vereinbar“ sei, unterstrich die Wissenschaftlerin.

Die massive Abwehr gegenüber dem Islam zieht sich durch alle Themen“, stellte die Institutsdirektorin außerdem fest. Doch, und das betreffe alle Glaubensrichtungen: Religionsausübung werde im Programm so stark eingeschränkt, dass die Partei damit „nicht voll und ganz auf dem Boden des Grundgesetzes“ stehe, so ihre Einschätzung.

Mit einem Präsent bedankte sich der CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Marc Henrichmann bei Prof. Marianne Heimbach-Steins für ihren tief gehenden Vortrag. Foto: Büro Marc Henrichmann