Organspende: „Die Zahlen müssen rauf“

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Wie ein Hirntod unzweifelhaft festgestellt wird, erläuterte die Organspendenbeauftragte Dorothee Lamann dem Abgeordneten Marc Henrichmann. Foto: Büro Marc Henrichmann

Organspende: „Die Zahlen müssen rauf“

Abgeordneter Henrichmann informiert sich in der Uniklinik Münster

Kreis Coesfeld / Münster. Auf zehn Organspender pro eine Millionen Einwohner kommt Deutschland – in Spanien sind es mehr als 40 Spender. Diese Zahlen erfuhr der Bundestagsabgeordnete Marc Henrichmann bei einem Gespräch mit Dorothee Lamann, der Organspendebeauftragten des Universitätsklinikums Münster. „Die Zahlen müssen rauf“, unterstrich der CDU-Politiker, der den Wahlkreis Coesfeld / Steinfurt II vertritt.

So unstrittig das Ziel ist, über den Weg dahin wird in Berlin sehr ernsthaft und sorgfältig diskutiert. Eine doppelte Widerspruchslösung ist im Gespräch, ein anderer Gesetzesentwurf sieht eine ausdrückliche Zustimmung vor. „Wir Abgeordneten stehen vor einer Gewissensentscheidung“, betonte Henrichmann. Deshalb war für ihn das Gespräch mit der Organspendebeauftragten wichtig: „Wir haben die politische Pflicht, uns zu informieren und zuzuhören.“

Es warten dreimal mehr Menschen auf eine Organspende als Spender zur Verfügung stehen“, erklärte Dorothee Lamann. „Deutschland als größtes Eurotransplant-Mitglied nimmt viel, aber leistet wenig“, kritisierte sie. Die Stiftung Eurotransplant ist verantwortlich für die Zuteilung von Spendeorganen in acht Ländern.

Um dies zu ändern, müsse das Vertrauen in die Organspende zurückgewonnen werden, meinte Henrichmann. Selbst wenn der Verstorbene zu Lebzeiten zugestimmt habe, werde ohne ein Gespräch mit den Angehörigen kein Organ entnommen, versicherte die Beauftragte der Uniklinik. „Weit über 90 Prozent sind damit einverstanden, im Sinne des Toten zu handeln“, stellte sie fest. Schwieriger findet sie, wenn eine Entscheidung des Betroffenen fehle. „Dann müssen die Angehörigen einen Entschluss fassen“ – eine Verpflichtung, von der sie die Hinterbliebenen mit Hilfe einer klaren gesetzlichen Regelung gerne befreit sähe.

Voraussetzung für eine Organentnahme sei der irreversible Ausfall der Gesamtfunktionen des Gehirns, der so genannte Hirntod. „Der ist unumkehrbar und wird von zwei Fachärzten unabhängig voneinander bestätigt“. Dann müsse die Deutsche Stiftung Organtransplantation als koordinierende Stelle tätig werden . Das passiert äußerst selten: „Von 900.000 Verstorbenen pro Jahr in Deutschland kommen nur 4.000 überhaupt als Organspender in Frage“, erläuterte Dorothee Lamann. Damit in Zukunft „spanische Werte“ erreicht würden, müsse mehr informiert werden, erklärte sie: In Spanien werde schon im Kindergarten über das Thema Organspende gesprochen.