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Die Erfahrungen mit dem Modell des Bürgerwindparks ließ sich der Bundestagsabgeordnete Marc Henrichmann (4.v.l.) unter anderem von den Geschäftsführern in Hollich Sellen, Jörg Tiemann (2.v.l.) und Gerhard Göckenjan (3.v.l.), vorstellen. Foto: Büro Marc Henrichmann

Faire Teilhabe sichert hohe Akzeptanz

MdB Henrichmann informiert sich beim Bürgerwindpark Hollich Sellen

Kreis Steinfurt. Fossile Energieträger sind endlich, die CO2-Ziele sind mit ihnen nicht zu erreichen, und dennoch ist Windenergie als regenerative Alternative umstritten. Sorgen um die Umwelt, das Landschaftsbild und die Gesundheit rufen vielerorts Initiativen gegen die Windkraft auf den Plan. Wie sich mit einer Beteiligung möglichst vieler Bürger dagegen eine große Akzeptanz erreichen lässt, erfuhr der Bundestagsabgeordnete Marc Henrichmann beim Bürgerwindpark Hollich Sellen in der Kreisstadt Steinfurt.

Die Windpark-Gruppe, die mit 35 Anlagen rund 180 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr produziert, sucht gezielt den Kontakt zur heimischen Politik. So erhielt auch der CDU-Politiker aus Havixbeck, zu dessen Wahlkreis Altenberge, Laer und Nordwalde gehören, eine Einladung. Mit Alfons Efker nahm auch ein Vertreter eines Bürgerwindparks auf dem Gebiet der Gemeinden Altenberge und Laer an dem Gespräch teil.

Er sei „neugierig auf das gut funktionierende Modell“, bekannte Henrichmann. Notwendig sei es aber auch, die Sorgen derjenigen zu achten, die Angst um ihre Gesundheit hätten. „Wir müssen einen Ausgleich hinkriegen“, erklärte der CDU-Politiker. In Burgsteinfurt gebe es keinen Widerstand gegen Windenergie, betonte Gerhard Göckenjan, Geschäftsführer der Bürgerwindpark-Gruppe, im Gegenteil: „Hier wird eher gefragt: Wo geht noch was?“ Den Grund nannte Mit-Geschäftsführer Jörg Tiemann: „Wir haben immer die Bürger mitgenommen“. Als externe Projektierer im Jahr 2000 einzelne Grundstückseigentümer ansprachen, entschlossen diese sich, lieber selbst einen Windpark aufzubauen.

120 Millionen Euro investierte die beiden Hollicher Bürgergesellschaften seitdem. 1.040 Kommanditisten sind direkt an ihnen beteiligt, über Stadtwerke, Bürgergenossenschaften sowie Vereine, Verbände und Institutionen seien es indirekt sogar über 4.000 Bürger, rechnete Tiemann vor. Eine „breite Streuung der Beteiligung“ und eine „faire Teilhabe“ seien Erfolgsfaktoren, hinzu kämen unter anderem ein ausreichender Abstand der Anlagen zur Wohnbebauung und die Vermeidung von Schlagschatten.

Diskutiert wurde auch über Fragen wie die Speicherung der Energie und der künftige Netzausbau. Die Vertreter des Bürgerwindparks sprachen ein weiteres Hindernis für den Ausbau der Windenergie an. Demnächst laufe für die ersten Anlagen die EEG-Förderung aus. „Für den Kreis Steinfurt ergibt sich bis 2026 ein Leistungsverlust von 70 Megawatt“, erklärte Göckenjan. Dies sei „alarmierend“.