Beratungsstellen erreichen mehr Cannabis-Konsumenten

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Cannabiskonsum und ein neues Programm gegen exzessiven Medienkonsum waren die Themen beim Austausch zwischen Annette Holtrup (l.) und Marc Henrichmann (2.v.r.) mit Lioba Krüger-Rosenke und Ulrich Flasche. Foto: Büro Marc Henrichmann

Beratungsstellen erreichen mehr Cannabis-Konsumenten

MdB Henrichmann diskutiert mit Suchtberatung / Angebot für PC-Sucht

Dülmen. Kanada hat Cannabis legalisiert und damit Schlagzeilen gemacht. Aus Kanada kommen allerdings auch Studien, die gesundheitliche und gesellschaftliche Folgen sehr kritisch beleuchten. „Cannabiskonsum wirkt sich aus, und zwar negativ“, brachte es der heimische Bundestagsabgeordnete Marc Henrichmann in Dülmen auf den Punkt. Gemeinsam mit der stellvertretenden Bürgermeisterin Annette Holtrup besuchte der CDU-Politiker die AWO-Sucht- und Drogenberatungsstelle im Kreis Coesfeld.

Wir brauchen keine weitere Massendroge“: Das hatte Marlene Mortler als Drogenbeauftragte der Bundesregierung vergangenes Jahr in Coesfeld zum Thema Cannabis-Legalisierung erklärt. Eine klare Ansage, die Henrichmann begrüßte. Und auch die Suchtberater in Dülmen setzen sich zwar für die Entkriminalisierung der Konsumenten ein, wollen aber auf keinen Fall eine Legalisierung. „Die Diskussion darüber senkt schon das Unrechtsbewusstsein“, stellt Ulrich Flasche, Leiter der Einrichtung, fest. Der Wirkstoffgehalt der Droge sei heute weitaus höher als vor wenigen Jahren. Die Gefahr, eine Psychose zu erleiden, sei folglich gestiegen. „Gerade für junge Menschen, deren Gehirn noch wächst, hat Cannabiskonsum dramatische Folgen“, warnte Lioba Krüger-Rosenke, Mitarbeiterin in der Beratungsstelle.

Vor allem an junge Menschen wendet sich deshalb das Angebot der AWO-Suchtberatung, über ein Drittel der Ratsuchenden sind unter 26 Jahre. Programme zur Frühintervention wie „FreD“ zeigen Wirkung. „Bei Cannabis erreichen die Beratungsstellen in NRW mittlerweile bis zu 19 Prozent der klinisch relevant Cannabis Konsumierenden“, erklärte Flasche – eine sehr gute Quote, wie er betonte.

Kinder und Jugendliche hat auch das noch neue Angebot „Interface Extended“ im Blick. Angesprochen werden junge Leute mit „exzessivem Medienkonsum“. Sie kommen nicht los vom nächsten Level eines Computerspiels, sie können den Blick nicht lassen vom Display ihres Smartphones. „Abstinenz“, verdeutlichte Lioba Krüger-Rosenke, „ist hier keine Lösung“. Denn ohne Medien komme kaum jemand aus, sei es im Berufs- oder Privatleben.

Einige Betroffene melden sich von selbst in der Beratung, meist aber entsteht der Kontakt über Schulsozialarbeiter und Eltern. Oft gelinge es, alternative Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, wie die Sozialpädagogin und Suchttherapeutin anhand eines Beispiels schilderte: Ein junger Mann, süchtig nach Computerspielen, bewies darin immerhin Organisationstalent. Mittlerweile „zockt“ er nicht mehr, sondern hat einen Beruf gefunden: „Er plant Veranstaltungen“, berichtete sie.